Artikel im Katalog des 23.Filmfest Dresden, zum Jubiläum von 10 Jahre Austauschforum Exchange Forum.
2007 Dresden <-> Zagreb
Von Köln mit der Bahn nach Dresden, in die ehemalige DDR und weiter, ab Prag mit dem Flieger, nach Zagreb ins ehemalige Jugoslawien. Dresden war mir genau so neu, wie Zagreb. Der Elbtunnel schwirrt durch Dresden wie die Gefahr um die Aberkennung des UNESCO Weltkulturerbe-Status. Vom Waldschlösschen, dem Festivalgelände aus, kann man die Fläche sehen, die bebaut werden soll – oder ist es doch nicht da drüben auf der grünen Wiese? Kein Dresdner steht gerade in meiner Nähe um mir das sagen zu können, sondern ein Italiener, ein Rumäne, eine Kroatin, eine Russin, ein Tunesier, ein Deutscher, aber der Maler aus Dresden ist gerade nicht da. Unten in der Stadt, höre ich stolz „Europas größtes barockes Zentrum“ von dem Reiseführer, der eine große Gruppe Festivalteilnehmer durch die ehemals vom Krieg zerstörte Dresdner Altstadt führt. Gemeinsam gehen und fahren wir durch die Stadt, lassen Baulücken hinter uns und schließen unsere Lücken auf dem Weg indem wir uns kennen lernen. Meine braunhäutige Filmfreundin, die ein Jahr zuvor an dem Forum teilgenommen hat, fühlte sich gen Abend auf der Festivalfeier müde und wollte nach Hause. Ausgerechnet der Fahrer mit der polierten Glatze im eleganten schwarzen Anzug und seiner provokativen roten Armbinde am Oberarm, auf der in gotischen Lettern „Spielführer“ stand, fuhr uns in die Stadt. „Ich bringe erst dich nach Hause und dann deine Freundin“, sagte er zu mir. „Umgekehrt“ sagte ich und von der Rückbank drangen empörende Worte nach vorne, dass sie nicht alleine mit ihm im Auto fahren wird. Und so fuhren wir durch die Nacht und der Fahrer erzählte, dass seine Armbinde nicht nur eine Provokation und ein makaberer Scherz war, sondern das er eine führende Rolle in der Betreuung der Festivalgäste spielte und kein Faschist ist. Das haben die Fußballfans am Waldschlösschen ja gleich gesagt, aber ich fand das faschistisch und urteilte auch den Fußball ab. Tja, – Vorurteile sind nicht das was Menschen zusammenbringt und wie man sich Freunde schafft, aber um etwas nebulöses aufzuklären spricht man darüber. Das Austauschforum hat genau das gestärkt: Kommunikation, Aufklärung, Begegnung, Entwicklung, Lernen sowie Perspektiven zu vermittelt und weitere Projekte zu entwickeln. Sicher läuft in naher Zukunft mal einer meiner Filme im Dresdner Festival Programm, auch wenn aus der Filmidee, die Jelena, Dino und ich noch nach dem Forum in Zagreb weiterentwickelt haben, kein Film geworden ist.
In diesem Sinne: See you again.